Vom Konzept zu Daten

Anfänger 6 Min

ChatGPT-Bild 19. Feb. 2026, 09_03_26

ICT/SMC → Orderflow: Vom Konzept zu den Daten

Wenn Sie mit ICT oder SMC vertraut sind, ist dieser Abschnitt für Sie besonders relevant. Falls nicht, sollten Sie ihn trotzdem lesen: Hier wird erklärt, woher populäre Konzepte stammen und was auf der Ebene realer Daten dahintersteht. Die Begriffe in der rechten Tabellenspalte behandeln wir in den Modulen 3–7. Lesen Sie sie vorerst einfach als Orientierung für den weiteren Weg.

ICT und SMC beschreiben Phänomene wie „Order Block“, „Fair Value Gap“ und „Liquidity Sweep“. Dabei handelt es sich um Modelle des Marktverhaltens. Viele davon lassen sich beobachten und sinnvoll nutzen. Es bleiben jedoch Beschreibungen. Sie erklären, WAS geschieht, zeigen aber nicht, WIE oder WARUM.

Orderflow sind Daten. Konkrete Zahlen: wie viele Kontrakte, auf welchem Niveau, wer der Aggressor war und wer den Flow absorbiert hat. Nicht „hier gab es einen Order Block“, sondern „die Matching Engine erfasste 12.000 aggressive Käufe auf diesem Niveau, während sich der Preis nicht bewegte — ein passiver Verkäufer absorbierte den gesamten Flow“. Das ist Absorption. Sie wissen bereits, wie sie funktioniert.

So lassen sich populäre PA-/ICT-Konzepte mit Orderflow-Daten verbinden. Einige Begriffe in der rechten Spalte kennen Sie bereits aus Modul 1: Absorption, Stop-Kaskade und Aggression vs. passive Liquidität. Andere — POC, Imbalances, LVN und Heatmap — behandeln wir in den Modulen 3–7. Lesen Sie die rechte Spalte vorerst als Orientierung: Sie zeigt, wohin wir uns bewegen.

PA-/ICT-Konzept Was im Orderflow dahintersteht Warum die Daten präziser sind
Order Block Absorptionszone: POC + hohes Volumen + Delta ohne entsprechende Preisreaktion Zeigt das konkrete Volumen und das Kräfteverhältnis statt lediglich „eine Zone, in der etwas passiert ist“
Fair Value Gap (FVG) Low Volume Node (LVN) im Volume Profile — ein Bereich, den der Preis mit geringer Handelsaktivität schnell durchlaufen hat Zeigt, ob tatsächliches Interesse besteht, die Lücke zu füllen, oder ob der Markt diesen Bereich ignoriert
Liquidity Grab / Sweep Stop-Kaskade im Footprint + Absorption im Tape großer Transaktionen Zeigt, wie viele Stops ausgelöst wurden und wer die Gegenseite übernommen hat
Stop Hunt Market-Orders aus ausgelösten Stops treffen auf Limit-Orders und werden absorbiert Zeigt nicht eine „Jagd“, sondern die Mechanik: Stops treffen auf Limit-Orders, während ein großer Marktteilnehmer eine Position aufbaut
Break of Structure Initiative: Imbalances + Delta von mindestens 10 % + leerer Bereich in der Heatmap hinter dem Niveau Zeigt, ob hinter dem Ausbruch echte Aggression steht oder ob die Bewegung an Kraft verliert

Kehren wir zur Sprache aus Modul 1 zurück. Ein Order Block ist im Kern eine Absorptionszone: Ein großer passiver Marktteilnehmer absorbiert den Flow der Aggressoren, und der Preis bewegt sich trotz hohen Volumens nicht. Ein Stop Hunt ist eine Kaskade von Stop-Loss-Orders, die zu Market-Orders werden und auf Limit-Orders treffen. Es ist dieselbe Mechanik der Matching Engine. ICT gibt diesen Phänomenen Namen. Orderflow zeigt sie in Zahlen und hilft dabei, ein reales Ereignis von einer leeren Form im Chart zu unterscheiden.

Note

Diese Ansätze stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie arbeiten auf unterschiedlichen Detailebenen. ICT/SMC ist eine Karte mit dem Hinweis „hier könnte es interessant sein“. Orderflow ist ein GPS mit Echtzeitdaten. Die Karte ist hilfreich. Mit GPS wird die Route jedoch präziser.

Klingt zu gut? Prüfen wir es an einem konkreten Beispiel.

Vorher und nachher: Ein Chart, zwei Welten

Before / After
After
Before
⋮⋮
BeforeAfter

BTCUSDT während einer aktiven Marktphase. Innerhalb des Tages liegt ein Abwärtstrend vor, links dargestellt. Nach einem weiteren Abwärtsimpuls kommt die Bewegung zum Stillstand, und später entsteht ein Order-Block-Muster. Bei der Analyse des Cluster-Charts erkennen wir, dass die impulsive Abwärtskerze alle Merkmale eines Sweeps aufweist: Eine Stop-Kaskade im Footprint führt zu hoher Volatilität, einem stärkeren Delta — in diesem Fall negativ — und einem dünnen Cluster-Profil mit einem Übergewicht an Market-Verkäufen. Diese Market-Verkäufe könnten den Merkmalen nach Stop-Loss-Orders von Käufern gewesen sein.

Note

Was ein Marktteilnehmer mit technischer Analyse anschließend sieht: Eine Pause über mehrere Kerzen hinweg und danach eine Kerze mit einem Order-Block-Muster.

Nun betrachten wir denselben Ausschnitt mit Transaktionsdaten. Nach dem Auslösen der Stops kommt der Markt nicht einfach nur zum Stillstand. Am Tief von zwei Kerzen zeigen sich klare Merkmale einer Verkaufsabsorption: Vergrößerte Verkaufscluster liegen auf demselben Niveau, ohne dass eine sichtbare Abwärtsbewegung folgt. Dieser Käufer stoppte und absorbierte die Liquidität bereits vor dem Order Block. Die spätere Musterkerze ergänzt das Bild und bestätigt, dass die Absorption Wirkung gezeigt hat.

Key takeaway

Anschließend beginnt die Aufwärtsbewegung:

  • Achten Sie auf die Kerze mit dem FVG-Muster.
  • Der Kerzendocht zeigt einen Versuch, sich nach unten zu bewegen. Die Bewegung stoppt genau an dem Niveau, an dem zuvor eine Verkaufsabsorption identifiziert wurde.
  • Der Limit-Käufer ist weiterhin präsent.
  • Der leere Bereich im Kerzenkörper deutet auf fehlenden Widerstand und ein Marktungleichgewicht zugunsten der Käufer hin, das durch das FVG-Muster bestätigt wird.

Anschließend beginnt die Aufwärtsbewegung — achten Sie auf die Kerze mit dem FVG-Muster. Der Kerzendocht zeigt einen Versuch, sich nach unten zu bewegen. Die Bewegung stoppt genau an dem Niveau, an dem zuvor eine Verkaufsabsorption identifiziert wurde. Der Limit-Käufer ist weiterhin präsent. Der leere Bereich im Kerzenkörper deutet auf fehlenden Widerstand und ein Marktungleichgewicht zugunsten der Käufer hin, das durch das FVG-Muster bestätigt wird.

Einige Kerzen später testet der Preis die Imbalance-Zone und das FVG. In der Cluster-Kerze sind Anzeichen dafür zu erkennen, dass alle Verkaufsorders absorbiert wurden, obwohl die Verkäufe auf jedem Preisniveau deutlich dominierten.

Note

Das Ergebnis fällt dennoch zugunsten des Käufers aus — wahrscheinlich ist der Limit-Käufer weiterhin aktiv und absorbiert weiterhin die Liquidität der Verkäufer.

Das Ergebnis: Der Preis bewegt sich deutlich weiter nach oben, und wir sehen eine Imbalance — ein nahezu vollständiges Übergewicht der Käufer auf fast allen Preisniveaus sowie eine volatile Kerze als Merkmal einer Trendbewegung. Wenn wir den Kontext verstehen und Cluster-Daten mit Price-Action-Mustern wie OB und FVG kombinieren, entsteht ein System zur Marktanalyse, das hilft, die aktuellen Prozesse besser einzuordnen.

Stellen wir die Frage weiter gefasst: Welche weiteren „allgemein anerkannten“ Konzepte sollten überprüft werden?

Key takeaway
  • ICT/SMC beschreibt Phänomene wie Order Blocks, FVGs und Sweeps, während Orderflow sie in Zahlen zeigt
  • Dasselbe Muster, etwa ein Doppeltief, kann real und durch Absorption bestätigt oder lediglich eine zufällige Form sein
  • Transaktionsdaten helfen dabei, auf einem Niveau eine „Wand“ vom „Schatten einer Wand“ zu unterscheiden
  • Die technische Analyse zeigt die richtige Form, Orderflow zeigt, ob tatsächlich Substanz dahintersteht
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Quiz

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Was ist der Unterschied zwischen einem Order Block (ICT) und Order-Flow-Daten?

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Doppelboden im ES bei 4500. Was unterscheidet echten Support vom "Schatten einer Wand"?

3

Wie haengen ICT/SMC und Order Flow zusammen?